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Was kostet fehlende Eigenverantwortung im Unternehmen?

Warum ich dieses Thema bewusst wirtschaftlich bespreche

Eigenverantwortung wird in vielen Unternehmen erstaunlich weich diskutiert. Als Kulturthema. Als Haltungsfrage. Als etwas, das man „fördern“ sollte – am besten über Trainings, Workshops oder HR-Programme.

Was dabei fast immer unterbelichtet bleibt, ist die wirtschaftliche Dimension. Denn fehlende Eigenverantwortung ist kein atmosphärisches Problem. Sie ist ein Kostenfaktor. Einer, der selten in Excel-Tabellen auftaucht, sich aber spürbar auf Produktivität, Qualität und Führungskapazität auswirkt.

Genau deshalb bespreche ich dieses Thema nicht moralisch, sondern systemisch – und wirtschaftlich.

Eigenverantwortung ist keine Charakterfrage

Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Eigenverantwortung ist keine Persönlichkeitseigenschaft. Sie ist kein Mindset, das man Menschen „beibringt“. Und sie ist auch kein Thema individueller Leistungsbereitschaft.

Ob Verantwortung übernommen wird oder nicht, entscheidet sich an Strukturen: an Entscheidungsrechten, Eskalationslogiken, Informationszugängen und klar definierten Verantwortungsgrenzen.

Oder anders gesagt: Menschen verhalten sich in der Regel rational zu dem System, in dem sie arbeiten. Wenn Verantwortung nicht vorgesehen ist, wird sie auch nicht übernommen.

Der Shopfloor ist brutal ehrlich

In der Produktion ist diese Logik besonders gut sichtbar. Maschinen stehen oder laufen. Qualität passt oder passt nicht. Stillstände kosten sofort Geld, Ausschuss ebenso.

Wenn Verantwortung dort liegt, wo Abweichungen entstehen, können Entscheidungen schnell getroffen werden. Wenn sie dagegen nach oben verlagert ist, entsteht eine bekannte Kette: Norm-Abweichung, Rückfrage, Eskalation, Warten.

Vor allem nachts oder in Randzeiten wird das sichtbar. Maschinen stehen, bis jemand erreichbar ist, der entscheiden darf. Die Kosten laufen – still, aber zuverlässig.

Das ist kein Ausnahmefall. Das ist Alltag in vielen Betrieben.

Dienstleistungsarbeit ist leiser – aber nicht günstiger

In Dienstleistungs- und Projektorganisationen wirkt fehlende Eigenverantwortung subtiler. Hier stehen keine Maschinen still. Stattdessen bleiben Entscheidungen liegen. Projekte verzögern sich. Abstimmungen häufen sich. Nacharbeit wird zur Normalität.

Das Problem: Diese Stillstände sind weniger sichtbar. Und genau deshalb werden sie oft unterschätzt.

Typische Symptome, die ich in Projekten immer wieder sehe, sind:

  • übermäßige Abstimmungsschleifen
  • Entscheidungen, die fachlich klar sind, aber nicht getroffen werden
  • Rework und Qualitätsmängel
  • steigende Fehlzeiten und sogenannter Präsentismus – am Arbeitsplatz sein, ohne wirklich Leistung zu erbringen

Warum fehlende Eigenverantwortung Führung bindet

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Fehlende Eigenverantwortung kostet nicht nur Geld – sie kostet Führung.

Viele Führungskräfte erleben ihre Arbeitslast als persönliches Zeitproblem. In Wahrheit ist sie oft das Ergebnis eines Systems, das Verantwortung nach oben zieht. Führungskräfte werden dauerhaft in operative Feuerwehrarbeit gezwungen, obwohl ihre eigentliche Aufgabe woanders liegt.

Eigenverantwortung spart deshalb nicht nur Kosten. Sie spart vor allem Führungskapazität.

Verantwortung wirkt über dieselbe Logik – überall

Ob Produktion oder Dienstleistung: Die wirtschaftliche Logik ist identisch. Eigenverantwortung reduziert Wartezeiten, Eskalationen und Nacharbeit. Gleichzeitig steigen Durchsatz, Termintreue und Qualität. Und Führung gewinnt wieder Raum für Führung.

Kultur oder Kostenproblem?

Eine Beobachtung aus der Praxis: Viele Organisationen beschreiben diese Effekte als kulturelles Thema. Als Frage von Commitment oder Haltung. Ich halte das für zu kurz gegriffen.

Kultur beschreibt, wie sich etwas anfühlt. Wirtschaftlichkeit zeigt, was es kostet.

Wenn Verzögerungen zur Normalität werden, wenn Projekte schon beim Start mit einem frustrierten Seufzen kommentiert werden und wenn Entscheidungen liegen bleiben, obwohl fachlich alles klar ist, dann sprechen wir nicht mehr über Befindlichkeiten. Dann sprechen wir über Geld.

Mein Fazit

Die zentrale Frage lautet für mich nicht, ob Mitarbeitende Verantwortung übernehmen wollen. Die entscheidende Frage ist, ob das System es überhaupt zulässt.

Eigenverantwortung entsteht nicht durch Appelle. Sie entsteht dort, wo Verantwortung gewollt, ermöglicht und strukturell abgesichert ist. Und genau dort beginnt wirtschaftliche Wirkung.

Wenn Sie die Eigenverantwortung in Ihrem Unternehmen stärken wollen, schreiben Sie mir eine kurze Nachricht und lassen Sie uns ins Gespräch kommen.

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Was dabei fast immer unterbelichtet bleibt, ist die wirtschaftliche Dimension. Denn fehlende Eigenverantwortung ist kein atmosphärisches Problem. Sie ist ein Kostenfaktor. Einer, der selten in Excel-Tabellen auftaucht, sich aber spürbar auf Produktivität, Qualität und Führungskapazität auswirkt.

Genau deshalb bespreche ich dieses Thema nicht moralisch, sondern systemisch – und wirtschaftlich.

Eigenverantwortung ist keine Charakterfrage

Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Eigenverantwortung ist keine Persönlichkeitseigenschaft. Sie ist kein Mindset, das man Menschen „beibringt“. Und sie ist auch kein Thema individueller Leistungsbereitschaft.

Ob Verantwortung übernommen wird oder nicht, entscheidet sich an Strukturen: an Entscheidungsrechten, Eskalationslogiken, Informationszugängen und klar definierten Verantwortungsgrenzen.

Oder anders gesagt: Menschen verhalten sich in der Regel rational zu dem System, in dem sie arbeiten. Wenn Verantwortung nicht vorgesehen ist, wird sie auch nicht übernommen.

Der Shopfloor ist brutal ehrlich

In der Produktion ist diese Logik besonders gut sichtbar. Maschinen stehen oder laufen. Qualität passt oder passt nicht. Stillstände kosten sofort Geld, Ausschuss ebenso.

Wenn Verantwortung dort liegt, wo Abweichungen entstehen, können Entscheidungen schnell getroffen werden. Wenn sie dagegen nach oben verlagert ist, entsteht eine bekannte Kette: Norm-Abweichung, Rückfrage, Eskalation, Warten.

Vor allem nachts oder in Randzeiten wird das sichtbar. Maschinen stehen, bis jemand erreichbar ist, der entscheiden darf. Die Kosten laufen – still, aber zuverlässig.

Das ist kein Ausnahmefall. Das ist Alltag in vielen Betrieben.

Dienstleistungsarbeit ist leiser – aber nicht günstiger

In Dienstleistungs- und Projektorganisationen wirkt fehlende Eigenverantwortung subtiler. Hier stehen keine Maschinen still. Stattdessen bleiben Entscheidungen liegen. Projekte verzögern sich. Abstimmungen häufen sich. Nacharbeit wird zur Normalität.

Das Problem: Diese Stillstände sind weniger sichtbar. Und genau deshalb werden sie oft unterschätzt.

Typische Symptome, die ich in Projekten immer wieder sehe, sind:

  • übermäßige Abstimmungsschleifen
  • Entscheidungen, die fachlich klar sind, aber nicht getroffen werden
  • Rework und Qualitätsmängel
  • steigende Fehlzeiten und sogenannter Präsentismus – am Arbeitsplatz sein, ohne wirklich Leistung zu erbringen

Warum fehlende Eigenverantwortung Führung bindet

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Fehlende Eigenverantwortung kostet nicht nur Geld – sie kostet Führung.

Viele Führungskräfte erleben ihre Arbeitslast als persönliches Zeitproblem. In Wahrheit ist sie oft das Ergebnis eines Systems, das Verantwortung nach oben zieht. Führungskräfte werden dauerhaft in operative Feuerwehrarbeit gezwungen, obwohl ihre eigentliche Aufgabe woanders liegt.

Eigenverantwortung spart deshalb nicht nur Kosten. Sie spart vor allem Führungskapazität.

Verantwortung wirkt über dieselbe Logik – überall

Ob Produktion oder Dienstleistung: Die wirtschaftliche Logik ist identisch. Eigenverantwortung reduziert Wartezeiten, Eskalationen und Nacharbeit. Gleichzeitig steigen Durchsatz, Termintreue und Qualität. Und Führung gewinnt wieder Raum für Führung.

Kultur oder Kostenproblem?

Eine Beobachtung aus der Praxis: Viele Organisationen beschreiben diese Effekte als kulturelles Thema. Als Frage von Commitment oder Haltung. Ich halte das für zu kurz gegriffen.

Kultur beschreibt, wie sich etwas anfühlt. Wirtschaftlichkeit zeigt, was es kostet.

Wenn Verzögerungen zur Normalität werden, wenn Projekte schon beim Start mit einem frustrierten Seufzen kommentiert werden und wenn Entscheidungen liegen bleiben, obwohl fachlich alles klar ist, dann sprechen wir nicht mehr über Befindlichkeiten. Dann sprechen wir über Geld.

Mein Fazit

Die zentrale Frage lautet für mich nicht, ob Mitarbeitende Verantwortung übernehmen wollen. Die entscheidende Frage ist, ob das System es überhaupt zulässt.

Eigenverantwortung entsteht nicht durch Appelle. Sie entsteht dort, wo Verantwortung gewollt, ermöglicht und strukturell abgesichert ist. Und genau dort beginnt wirtschaftliche Wirkung.

Wenn Sie die Eigenverantwortung in Ihrem Unternehmen stärken wollen, schreiben Sie mir eine kurze Nachricht und lassen Sie uns ins Gespräch kommen.

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